Florian Lassnig Manuelle Therapie

Beschwerden während der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft wird die Gebärmutter zunehmend größer und schwerer. Um sich diesen Veränderungen anzupassen, verändert der Körper seine Haltung deutlich. Gleichzeitig sorgen hormonelle Prozesse dafür, dass Bänder im gesamten Körper weicher und dehnbarer werden – eine wichtige Vorbereitung auf Wehen und Geburt.
Bereits vorbestehende Rücken- oder Haltungsprobleme können diese Anpassung erschweren und Beschwerden in verschiedenen Körperregionen begünstigen. Ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche nehmen Haltungsthemen häufig zu, da die Gebärmutter weiter an Gewicht gewinnt und mehr Raum im Bauch einnimmt.
Mögliche Folgen können sein:
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Nacken- und Rückenschmerzen
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Spannungskopfschmerzen
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Schmerzen im Beckenbereich
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rasche Ermüdung
Man kann sich die Gebärmutter bildlich wie eine Struktur vorstellen, die über Bänder tief im Becken verankert ist. Alltägliche Bewegungen – etwa Bücken oder Drehen – können diese Bandstrukturen zusätzlich belasten und dadurch Bauch-, Leisten- oder Rückenschmerzen verursachen.
An der Vorderseite des Beckens treffen die beiden Schambeinknochen in der sogenannten Schambeinfuge (Symphyse) aufeinander. Dieses Gelenk wird durch kräftige Bänder stabilisiert. Durch die hormonelle Auflockerung während der Schwangerschaft kann es hier zu schmerzhaften Überdehnungen kommen. Typisch sind Schmerzen im vorderen Beckenbereich, die sich bei Belastung oder gegen Ende des Tages verstärken.
Die osteopathische Behandlung zielt darauf ab, Spannungen und Bewegungseinschränkungen in der unteren Wirbelsäule, im Kreuzbein und im Becken zu lösen, um die natürliche Beckenmechanik zu unterstützen und den Schambereich zu entlasten.
Auch Beschwerden wie Übelkeit oder Sodbrennen können mit der wachsenden Gebärmutter zusammenhängen, da sie zunehmend Raum im Bauchraum einnimmt und Druck auf umliegende Organe ausübt.
Veränderungen im Brust- und Bauchraum
Wenn das Baby den Bauch zunehmend ausfüllt, werden die inneren Organe allmählich nach oben verdrängt. Die unteren Rippen weiten sich, um zusätzlichen Raum zu schaffen. Dadurch verändern sich Spannungsverhältnisse und Gleichgewicht im Bereich des Zwerchfells.
Auch benachbarte Organe wie Magen, Leber und Lunge passen sich ihrer veränderten Position an. Ein zentrales osteopathisches Prinzip besagt, dass Struktur und Funktion miteinander verbunden sind. Verändern sich strukturelle Beziehungen, kann sich dies auch auf die Funktion der betroffenen Organe auswirken.
Kurzatmigkeit oder eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfekte können unter anderem damit zusammenhängen, dass sich das Lungenvolumen durch die eingeschränkte Atembewegung verringert.
Stress in der Schwangerschaft
Studien weisen darauf hin, dass anhaltender Stress während der Schwangerschaft Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Mutter und Kind haben kann. Eine dauerhaft erhöhte Stressbelastung kann sich auf den Organismus beider auswirken.
Auch wenn sich nicht alle Belastungen vermeiden lassen, ist es hilfreich, bewusst für Ruhephasen zu sorgen. Osteopathische Behandlungen können dabei unterstützen, körperliche Spannungen zu reduzieren und das vegetative Nervensystem zu regulieren.
Durch das Lösen von Verspannungen und die Unterstützung der notwendigen Haltungsanpassungen empfinden viele Frauen ihre Schwangerschaft als angenehmer. Sanfte osteopathische Techniken können in allen Phasen der Schwangerschaft begleitend eingesetzt werden, sofern keine medizinischen Kontraindikationen bestehen.
Die Position des Babys
Für eine physiologische Geburt ist eine Position günstig, bei der das Baby mit dem Kopf nach unten liegt und sich optimal in den Geburtskanal einstellen kann. Andere Positionen können den Geburtsverlauf unter Umständen verlängern oder erschweren.
Eine gute Beweglichkeit im Becken und im umliegenden Gewebe kann dazu beitragen, dem Baby ausreichend Raum für seine individuelle Geburtsposition zu geben.
Nach der Geburt
Nach der Geburt muss sich der Körper von den Veränderungen der Schwangerschaft sowie von den Belastungen der Entbindung erholen. Viele Mütter verspüren Schmerzen, Erschöpfung oder fühlen sich körperlich und emotional stark beansprucht.
Während der Geburt wirkt erheblicher Druck auf das Becken. Besonders nach einer langen oder intensiven Entbindung kann es zu Spannungen oder funktionellen Ungleichgewichten kommen. Auch die Geburtsposition – etwa das Liegen mit erhöhten Beinen – kann das Becken zusätzlich belasten, insbesondere in einer Phase, in der die Bänder hormonell bedingt noch gelockert sind.
Unbehandelte Spannungen im Beckenbereich können sich äußern in Form von:
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Rückenschmerzen
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Nackenschmerzen
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Kopfschmerzen
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allgemeiner Müdigkeit.
Hinzu kommt die körperliche Belastung im Alltag mit einem Neugeborenen. Häufiges Tragen, Stillen in ungünstiger Haltung oder einseitige Bewegungsmuster können Rücken und Schultern zusätzlich beanspruchen.
Osteopathische Behandlungen können Müttern helfen, Spannungen zu lösen und ihr körperliches Gleichgewicht wiederzufinden. Ziel ist es, die Regeneration nach der Geburt zu unterstützen – damit sie sich stabil, beweglich und gut begleitet fühlen und die erste Zeit mit ihrem Baby bewusst genießen können.